WEGEKREUZE


Wir bitten in dieser
friedlosen Zeit um den Frieden!
Für die Welt und ihre Völker.
Für die Länder
und ihre Menschen.
Für uns selbst
und unsere Herzen.

Dazu segne uns Gott der Allmächtige,
der Vater, der Sohn
und der Heilige Geist.
Amen

 

 

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Suchet den Herrn, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist.  Jesaja 55,9

  crossmist1

Wow! Über diesen Text bin ich aber doch ein wenig erschrocken. Hört sich das für Dich nicht auch bedrohlich an?

»...solange er zu finden ist...solange er nahe ist ...«

Wenn ich dieses Wort so vor mir sehe, muss es ja wohl eine Zeit geben, in der Gott nicht mehr da ist, in der er uns ganz fern ist und nicht mehr gefunden werden kann?

Ich habe schon manchmal erlebt, wie Menschen, denen es besonders gut ging, gar nicht mehr wahrgenommen haben, wie gut es ihnen eigentlich ging. Ich hab dann bei mir gedacht: »Wie begnadet sind diese Leute doch von Gott. Sie müssten doch wirklich täglich dafür dankbar sein!«
Dachte ich. Sie aber sahen das nicht so. Bei ihnen war es vielleicht ihr eigener Verdienst oder einfach Schicksal oder sie haben »halt Glück gehabt«. Jedenfalls war Gott ihnen in diesen Zeiten sehr zugetan und sie durften seine Liebe spüren, sie hätten wohl nur die Hand ausstrecken müssen, dann hätten sie Gottes Hände ergreifen können, so nah war er ihnen!

Wie gesagt, so habe ich das gesehen. Sie selbst sicher nicht. Aber: Oft genug ging dann irgendwann diese gute Zeit plötzlich zu Ende! So wie alles einmal aus ist, Schluss, Fini! Mir schien das dann so, als hätte Gott gesagt: Es reicht jetzt mit meiner Güte. Dieser Mensch will und will mir nicht danken! Jetzt könnte natürlich jemand einwenden: Aber das ist doch sehr menschlich von Gott gedacht, oder nicht! Ist Gott denn so wenig erhaben über das menschliche Denken?

Ich möchte antworten: Wir profitieren auf der anderen Seite ja sehr davon, dass Gott so ist, wie er ist, wie er uns in Jesus Christus begegnet: Wir haben das doch vor einigen Wochen noch gefeiert: Weihnachten, Gott selbst ist Mensch geworden!
Und noch ein Zweites ist dazu zu sagen: Wir nennen unseren Gott seit Jesus unseren »Vater«! Auch darin drückt sich aus, dass wir Gott menschliche Eigenschaften zuschreiben und zuschreiben dürfen! Jesus Christus selbst hat uns doch das »Vater-unser« gelehrt!

In dieser menschlichen Zuwendung liegt aber doch auch eine Verpflichtung! Wir können nicht nur Gnade erwarten, müssen wir nicht auch damit rechnen, dass Gottes Geduld mal an ihr Ende kommt? Mit anderen Worten: Gottes Wesen ist menschlich nach zwei Seiten. Er ist gütig und geduldig und liebt seine Kinder, aber er kann auch strafen und er kennt auch den Zorn über diejenigen, deren Leben und Handeln keine Frucht bringt.

Und? Ist das nicht verständlich? Muss denn nicht irgendwann einmal Schluss sein mit dem Beschenken und Zeit geben und abwarten? Zumal es die Menschen, die hier gemeint sind, selbst ja gar nicht interessiert, dass ihnen ein anderer alles schenkt und ihnen immer wieder Zeit lässt?

Es ist doch eine Erfahrung der besonderen Art, Gott die Ehre und den Dank zu geben, der ihm zusteht! Das tut doch unserem Selbstwertgefühl keinen Abbruch. Muss man immer nur die eigenen Verdienste herausstellen, sich selbst alles zuschreiben???

Warum nur? Es zeigt uns doch nur den Weg in die Gottesferne! Ist das nicht unangemessen, undankbar unserem »Vater« gegenüber?
»Suchet den Herrn, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist.«

Kann es etwas Schlimmeres geben, als wenn Gott sich nicht mehr von uns finden lässt, dass wir völlig allein in unserem Universum sind?

Kann es irgendwo dunkler sein, als in der Ferne von Gott, dem Vater?

GOTT,
meine Zeit liegt in Deinen Händen?
Mit dieser Hoffnung vertraue ich mich Dir an,
aber manchmal frage ich mich, ob das stimmt.
Meine Zeit kommt mir chaotisch vor.
Sie zehrt mich auf.
Alles ist stressig.
Ich komme nicht zur Ruhe.
Wie kann dies auch Deine Zeit sein?
Hilf mir,
diese Zeit zu verstehen und zu überwinden.
Darauf hoffe ich.

Amen.